Anzeiger für Harlingerland Jeversches Wochenblatt

Mission am Hamburger Millerntor

02 Mär 2017
geschrieben von Jens Schipper
© FC St. Pauli

Sportredakteur Jens Schipper lernt das Innenleben des Kult-Kiez-Clubs FC St. Pauli kennen.

 

Als kleiner Junge  habe ich von der großen Fußballbühne geträumt, als 24-Jähriger habe ich diesen  Traum gelebt –  zumindest ein kleines bisschen. Wer nun aber Zeilen über einen großen Karrieresprung im sportlichen Sinne erwartet, den muss ich leider enttäuschen – auf dem Feld reicht es nach wie vor nur für die Kreisliga. Dennoch darf ich seit einigen Wochen beim Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli, dem wohl beliebtesten Zweitligaverein Deutschlands, hinter die Kulissen schauen. Um es gleich vorwegzunehmen: Es ist nicht so, wie man es sich vorstellt: Es ist besser! Bereits der morgendliche Blick auf das zentrale Verwaltungsgebäude am Harald-Stender-Platz aus der Ferne lässt die Vorfreude auf den Arbeitstag steigen. 

 

Tür ins „Wohnzimmer“

 

 

Lediglich eine Tür trennt die Büros der Mitarbeiter des Clubs von  ihrem Fußball-Wohnzimmer, dem Millerntor-Stadion. Das ist bei Heimspielen regelmäßig mit 29.063 Zuschauern ausverkauft. Wie auch am vergangenen Montagabend als die abstiegsbedrohten Kiezkicker mit dem Karlsruher SC einen direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt zu Gast haben. Nach einer knappen 1:0-Führung zur Pause, spielen sich die „Boys in Brown“ nach dem Seitenwechsel in einen Rausch und fegen die Badener am Ende mit 5:0 vom Platz, dessen Rasen  nur wenige Tage zuvor innerhalb von 48 Stunden ausgetauscht worden war.

 

Und nach dem Spiel ist vor dem Training. So geht es am Dienstagsmorgen direkt vom Büro aus in die Kollaustraße zum Trainingszentrum  des Vereins im Hamburger Norden. 

 

Du, Herr Lienen

 

 

Zwei top gepflegte Rasenplätze, ein Kunstrasenplatz und ein modernes Funktionsgebäude schinden Eindruck. Erst 2011 wurde das Trainingszentrum, das dem von Arsenal London ähneln soll, für dreieinhalb Millionen erneuert. Aus erster Reihe beobachte ich nach Ankunft am Trainingsplatz das nach Spielen typische Spiel-Ersatztraining für die Kiezkicker, die gegen den Karlsruher SC nicht zum Einsatz kamen. Während die Startelf-Akteure auslaufen und entspannt ihre Runden drehen, geht es auf dem Platz ganz schön zu Sache – rein sportlich natürlich. 

 

Einer der Spieler ist mir noch aus meiner Jugend bekannt: Lennart Thy kickte bis 2007 in Norden, bevor er in die Jugend des SV Werder Bremen wechselte. Kurz vor seinem Abschied hatte er als C-Jugendlicher in Burhafe das Nachsehen. Seine Antwort auf die Frage, ob er sich daran denn noch erinnere, lässt einen Profi erkennen: "Das habe ich verdrängt!"    

 

Ewald #Lienen zum 5:0-Sieg: "Einen Spieler des Spiels gibt es für mich nicht. Den Sieg haben wir #allezusammen geholt."...

Posted by FC St. Pauli on Montag, 27. Februar 2017

 

Gespannt verfolgt Cheftrainer Ewald Lienen das Geschehen auf dem Trainingsplatz. Seinen legendären Spitznamen „Zettel-Ewald“ macht er dabei alle Ehre. Selbst im Training nach einem 5:0-Erfolg hat der 63-jährige Fußballlehrer immer Stift und Block zur Hand und notiert fleißig. So locker der Umgang nach außen wirken mag: Der Trainer wird gesiezt. Umso erstaunter bin ich, als mir einer der profiliertesten deutschen Fußballlehrer prompt das Du anbietet. „Du, Herr Lienen“ – auch das ist irgendwie wie ein Traum. 

 

Zum Autor dieses Artikels: Jens Schipper ist Sportredakteur bei Brune-Mettcker. Er hat eine vierwöchige Hospitanz in der Pressestelle des FC St. Pauli verbracht. Als Jugendlicher kickte er für den Heidmühler FC in der Niedersachsenliga. Momentan ist er für den BSC Burhafe aktiv.

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