Anzeiger für Harlingerland Jeversches Wochenblatt

Buchdruckersöhne etablierten neue Zeitung

10 Jan 2014
geschrieben von Detlef Kiesé
© Brune-Mettcker
Etwas jünger als die Tochterzeitung Jeversches Wochenblatt, feierte der Anzeiger für Harlingerland 2012 sein 150-jähriges Jubiläum. Mit zahlreichen Veranstaltungen, von einer Wanderausstellung über eine Mini-Fußball-EM bis zu einem großen Tag der offenen Tür im Wittmunder Verlagshaus, wurden innerhalb eines Jahres alle Register gezogen um auch der treuen Leserschaft einmal „Danke“ zu sagen.

Christian Ludolph MettckerDie Geschichte des Anzeiger für Harlingerland beginnt 1862 mit Christian Ludolph Mettcker (1786–1862), ein tüchtiger Verleger, der schon im Jeverland Erfolg mit seinen „Jeverschen wöchentlichen Anzeigen und Nachrichten“ (heute „Jeversches Wochenblatt“) hatte. So konnte er seine in das Unternehmen eingestiegenen Söhne Andreas Wilhelm Mettcker (1825–1900) und Johann Ludolph Mettcker (1832–1913) ermutigen, auch in Wittmund eine Zeitung zu etablieren, die aus dem gesamten Harlingerland mit den Inseln Langeoog und Spiekeroog berichten sollte. Zusammen mit dem Wittmunder Kaufmann Jakob Christian Ajold Bergner gründeten sie den Anzeiger für Harlingerland. Bergner, der Schriftleiter der neuen Zeitung wurde, betrieb in der Brückstraße in Wittmund eine Buchhandlung mit umfangreicher Leihbibliothek und Buchbinderei. In seinem Haus richtete er 1862 eine Geschäftsstelle für den Harlinger ein, in der sich ebenfalls die Redaktion befand.

Mit zwei Probenummern des Anzeiger für Harlingerland am 17. und 24. März 1862 zeigten die Verleger bereits, wie die neue Zeitung aussehen sollte. Am 1. April 1862 erschien dann die erste reguläre Ausgabe – auf vier Seiten plus zwei Seiten Beilage in einem Seitenformat kleiner als das heute bekannte DIN-A4-Format. Das Blattformat der Zeitung betrug 20 mal 27,5 Zentimeter; die Zeitungsseiten waren in zwei Spalten aufgeteilt und in gebrochener Schrift (Fraktur) im Handsatzverfahren mit Bleilettern gesetzt.Gedruckt wurde der Hauptteil des Anzeiger für Harlingerland Ende des 19. Jahrhunderts in der Buchdruckerei C. L. Mettcker & Söhne in Jever. Das Blatt erschien zunächst nur zweimal in der Woche, jeweils montags und freitags. Mit dem Ziel, „die wichtigsten Ereignisse im Gebiete des politischen Lebens der Völker besonders zu berücksichtigen“, stellte die Redaktion den Lesern das Konzept der neue Zeitung vor. Bis 1864 stieg der Umfang der Zeitung zeitweilig auf bis zu acht Seiten, inklusive der regelmäßigen Beilage.

Anzeiger für Harlingerland 1888Mit der Zeit stieg die Akzeptanz der Zeitung: Im Januar 1866 wurde die Erscheinungsweise auf drei Ausgaben in der Woche, jeweils dienstags, donnerstags und sonnabends, erweitert. 1900 starb Andreas Wilhelm Mettcker, der Junggeselle war und damit keine Nachkommen hatte. 1909 übernahm Heinrich Hartmann den Schreibtisch des Verlags- und Redaktionsleiters beim Anzeiger für Harlingerland. Ab 1. Oktober 1909 ließ man die inzwischen etablierte Zeitung für das Harlingerland täglich mittags außer an Sonn- und Feiertagen erscheinen – zugleich hatte Mettcker in diesem Jahr in Wittmund eine eigene Druckerei eingerichtet, in der eine Zeitungsteilauflage hergestellt wurde. Der Sohn von Johann Ludolph Mettcker, Enno Mettcker (1873–1946), erbte nach dem Tod des Vaters 1913 den Verlag, die Druckereien sowie auch den landwirtschaftlichen Betrieb Gut Moorhausen, das er bereits seit 1912 bewirtschaftet hatte. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde die Gesamtauflage des „Anzeigers“ nicht mehr in Esens und Jever, sondern in Wittmund gedruckt.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Harlinger von den alliierten Besatzungsmächten verboten und wegen der entzogenen Lizenz durfte die Zeitung bis 1949 nicht erscheinen. Durch den Zweiten Weltkrieg hatte auch die Familie Mettcker Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Denn die beiden Söhne Ludolph und Enno, lebten nicht mehr. Zudem starb 1946 auch Verlagsinhaber Enno Mettcker. Im Anschluss übernahm seine Witwe Maria Mettcker die Leitung des Traditionsunternehmens, vertraute die Finanzverwaltung dann aber Dr. jur. Fritz Blume senior (1901–1983) an. Als Maria Mettcker, letzte Namensträgerin der bekannten Zeitungsverlegerfamilie, 1968 gestorben war, erbte ihr Enkel, der Land- und Forstwirt sowie Schriftsetzermeister Hajo Allmers aus Jever, den Verlag C. L. Mettcker & Söhne. Er wirkte nun zugleich auch als Herausgeber des Harlingers. Vor 15 Jahren schließlich fusionierten die C. L. Mettcker & Söhne Vertriebs- und Verlagsgesellschaft mbH mit der Brune Druck- und Verlagsgesellschaft mbH. So hat sich die Geschichte der Familien Mettcker und Allmers mit ihrem Zeitungsverlag erweitert. Es wurde im Jahr 1999 die Brune-Mettcker Druck- und Verlags-GmbH gegründet.
Tags: brune-mettcker, geschichte, harlinger, zeitungZurück zur Übersicht

 

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